Erfahrungsbericht: Wie ich meinen Reizdarm losgeworden bin

Hallo,

hier erzähle ich (männlich, 33) meine Geschichte rund um die Themen Reizdarm, Lactoseintoleranz, Histaminintoleranz und alles drumherum (Ernährung, Medikamente etc.)

Kurzer Rückblick: Ich war etwa 15, da wurde mal eine Colitis Ulcerosa diagnostiziert, was eine nicht ungefährliche chronisch entzündliche Darmerkrankung ist. In den Folgeuntersuchungen der nächsten Jahre konnte diese Diagnose jedoch nie bestätigt werden, ich verließ die Kliniken also regelmäßig mit der Diagnose „Reizdarmsyndrom“, also einem Etikett für alles, wozu die Ärzte keine richtige Einordnung finden. Es folgten Jahre mit vielen unschönen Problemen. So waren Bauchkrämpfe, Blähungen und Durchfälle regelmäßige Begleiter, was weder schön ist hier zu schreiben noch ist es im Alltag schön, weil es massiv einschränkt und  sozial ausgrenzt, einfach weil man eben nicht mal eben mit Freunden eine Busreise macht oder zum Zelten nach Brandenburg rausfährt.

Heute geht es deutlich besser, auch wenn es natürlich hier und da noch mal einen schlechten Tag gibt. Weil ich das als deutliche Erleichterung empfinde, will ich hier aufschreiben wie ich meinen Reizdarm in den Griff gekommen habe. Das muss nicht für jeden so gelten, aber vielleicht könnt ihr daraus Elemente mitnehmen.

Das war mein 5-Punkte-Plan zu einem ruhigeren Bauch:




1. Andere Ernährung

Ich habe nie besonders gesund oder besonders ungesund gegessen. Normal halt, vielleicht mit ein bisschen viel Hektik und einer schnellen Pizza abends nach der Arbeit. Aber auch viel Salat, Gemüse und Obst. Von den Ärzten her hieß es immer, man könne bei Reizdarm essen was man will.

Das ist offenbar nicht so. Es gibt seit einigen Jahren ein Ernährungskonzept aus Australien, das sehr vielen Reizdarm-Patienten spürbare Verbesserungen gebracht hat. Da es nichts kostet (außer das Buch dazu, das ich mir gekauft habe), wollte ich es unbedingt probieren und muss sagen: Seitdem sind viele Symptome deutlich besser geworden.

Das Ernährungskonzept nennt sich FODMAP. Das hat nichts mit dem englischen Wort Food zu tun, sondern steht als Abkürzung für Fermentierbare Oligosaccharide, Disaccharide, Monosaccharide and Polyole. Das klingt furchtbar kompliziert, beinhaltet aber eigentlich nur folgendes: FODMAPS sind verschiedene Zuckerarten, die man anhand der chemischen Zusammensetzung einteilt. Es geht darum wie viele Moleküle (Ketten) sie haben und was das im Darm macht. Fermentierbar heißt, dass Bakterien diese Zucker vergären können. Wen das im Detail interessiert, dem empfehle ich das Buch DAS FODMAP-Konzept*, da ist alles gut erklärt und es sind viele Rezepte drin.

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Am Ende achtet man darauf, dass man sich FODMAP-arm ernährt. Dadurch strömt weniger Wasser in den Darm (= weniger Durchfall) und die Darmbakterien bilden weniger Gase (=weniger Blähungen, weniger Schmerzen). Ich war beeindruckt, wie sehr nach 3 bis 4 Wochen die Beschwerden weniger wurden.

Das Prinzip von FODMAP ist auch, das man erstmal alles weglässt (in der Diät sind auch kein Gluten, kein Lactose, kein Fructose drin – bzw. jeweils nur ganz wenig) und dann nach und nach zuführt. WICHTIG: Wenn ihr euch auf Intoleranzen testen lassen wollt (z.B. auf Histaminintoleranz oder Zöliakie oder Lactose), dann macht das VOR der Fodmap Diät, weil sonst die Ergebnisse verfälscht werden. Auch soll man immer nur für einen bestimmten Zeitraum nach FODMAP essen, mehr dazu steht in dem genannten Buch recht ausführlich drin.

Lebensmittelliste: Ihr findet unter http://www.fodmaps.de/fodmap-liste/ eine Auflistung der Lebensmittel, die euch bei Reizdarm gut tun (grüne Liste) und solche, dir ihr meiden solltet (rote Liste). Da das keine kommerzielle Diät ist, sondern man einfach auf Sachen verzichtet, halte ich das für glaubwürdig und es hat zumindest bei mir gewirkt. 



 2. Den Darm checken lassen

Wenn unklar ist, woher eure Beschwerden stammen, kann auch ein Check der Darmflora für euch Sinn machen. Ich habe das gemacht und in der Auswertung gesehen, von welchen (schädlichen) Bakterien ich zu viel habe im Darm. Dagegen kann man dann mit Ernährung oder Nahrungsergänzungsmitteln dagegen arbeiten. Bei mir waren z.B. zu wenige Lactobazillen und Bifidobakterien vorhanden, die musste ich dann dazu nehmen und hab auch hier das Gefühl, dass es dadurch stabiler geworden ist – weniger Krämpfe, weniger Unwohlsein.

Der Test war mit 130 Euro nicht ganz billig, aber eh ich jetzt 80 Euro je Stunde beim Heilpraktiker ausgebe, der mir Kräuter auf den Bauch legt (tatsächlich so erlebt. Mit chinesischer Kräuterauswahl auf dem Bauch sollte eine Diagnose erstellt werden – nichts für ungut, ich bin da irgendwie ganz doll Realist, anderen kann das natürlich helfen, für mich war das nichts)  habe ich einmal den Check gemacht und für mich aus der Auswertung (die gehört dazu) viel ziehen können. Im Grunde bestellt ihr das Testpaket nach Hause, nehmt eine Stuhlprobe und sendet diese dann an das Labor. Ein paar Tage später könnt ihr die Auswertung online anschauen, ausdrucken und auch mit zum Arzt nehmen.

Auch hier gab es unterschiedliche Reaktionen. Manche Ärzte konnten mit den Erkenntnissen arbeiten, andere waren skeptisch, ob das nicht nur eine Momentaufnahme ist. Für mich persönlich war es eine wichtige Momentaufnahme, auch weil man erkennen kann ob man an einem durchlässigen Darm leidet (das sogenannte LeakyGut Syndrom), was zum Glück bei mir (noch) nicht der Fall war. Den Test könnt ihr zum Beispiel hier bei Medivere online bestellen*, die Packung die ich bekommen habe, sah so aus wie auf dem Bild.

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 3. Die richtigen Bakterien zuführen

Ob nach einer Antibiotika-Therapie (ich musste letztens wieder eine machen wegen fieser Mandelentzündung) oder weil das Gleichgewicht der Bakterien aus dem Rahmen gefallen ist – manchmal hilft es, wenn man bei Reizdarm gute Bakterien zuführt weil die schlechten (warum auch immer) die Oberhand gewonnen haben. Wer das Buch Darm mit Charme* kennt, weiß wie sehr die Zusammensetzung der Keime im Darm auf unser Wohlbefinden wirken. Das geht bis zur Psyche und daher sollte man schauen, dass die Flora gut ist (keine Fäulnisflora – die führt dann nämlich zu Blähungen und den anderen schönen Sachen). Wie geht das?

Ich habe es mit einem Kombi-Präparat probiert und bin damit sehr zufrieden. Es nennt sich „OMNi Biotic 10 AAD“ und hat 10 Bakterienstämme drin, mit 5 Milliarden Keimen pro Beutel (man trinkt also ein Glas mit 5 Millionen Keimen – klingt eklig, ist aber gut für den Darm :). Da sind viele Lactobacillus- und Bifidobakterien drin – also genau das was ich brauchte. Wer wissen will, wie das aussieht, hier ist die Packung dazu. Kaufen kann man das in jeder Apotheke oder aber ihr bestellt es hier bei Amazon*.

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4. Intoleranzen und Allergien abklären

Lange rannte ich mit der Diagnose Reizdarm rum und es hieß immer: Ernährung können wir ausschließen wenn das so unregelmäßig auftritt. Lasst euch von solchen Aussagen nicht beirren und testet was geht. Bei mir wurde erst nach Jahren eine Lactose-Intoleranz festgestellt (der H2 Atemtest dazu war zwar nervig, ist aber wohl das sicherste Instrument). Man weiß zwar nicht ob es eine echte ist, oder ob es eine Fehlbesiedlung im Darm ist, die sie verursacht – aber seit dem ich auf lactosefreie Produkte umgestiegen bin, ist es nochmal deutlich besser geworden.

In meinem Fall kam noch der Verdacht auf eine Histaminintoleranz hinzu. Was das ist könnt ihr unter www.histaminintoleranz-test.de mal nachlesen. Wenn der Körper diesen Botenstoff (den wir alle in uns haben) nicht gut abbauen kann, können ebenso Symptome wie Blähungen, Durchfall, Gesichtsrötungen und andere auftreten. Leider gibt es hierzu keinen echten Test, man kann sich nur nähern über ein Ernährungstagebuch. Und es gibt Indizien wie ein verminderter Anteil des sogenannten DAO-Enzyms im Blut – das könnte der Arzt bei euch bestimmen, wenn ihr den Verdacht auf Histaminintoleranz habt.

Dann gibt es noch das schöne Thema Gluten. Auch hier zanken sich ja die Experten, ob das nun ein Modethema ist oder wirklich schlecht. Fakt ist, seitdem ich zumindest glutenreduziert esse (wirklich ohne muss man nur bei Zöliakie auskommen), geht es mir gefühlt besser. Ich esse also vor allem weniger Weizen, habe das Brot durch glutenfreies ersetzt und achte auch bei Lebensmitteln mehr auf die Zusammensetzung. Ganz ohne geht es nicht, d.h. ich esse auch mal Nudeln mit Gluten (also die normalen). Hier bin ich noch am Rumprobieren, da es ein eindeutiges Ergebnis hier nicht gibt. Aber mein Tipp: Lasst mal die Haupt-Unverträglichkeiten testen oder aber esst einfach mal 4 Woche gluten- oder lactosefrei und schaut ob es euch besser geht. Wichtig: Medizinische Tests immer vor so einer Diät machen, sonst ist die Aussagekraft weg.

Wer das mal testen lassen will: Fragt euren Arzt oder bestellt euch einen Selbsttest im Internet (hier gibt es welche für Nahrungsmittelunverträglichkeiten*). Zuhause testen hat den Vorteil (zumindest da wo man eine Lösung trinken muss), dass die Toilette immer frei ist 🙂






5. Bei Reizdarm: Das Immunsystem stärken

Was immer man jetzt für Probleme mit dem Darm hat, meist ist das Immunsystem irgendwie mit betroffen. Aus Laiensicht denke ich mal, dass beim Reizdarmsyndrom einfach nicht alle Nährstoffe gut aufgenommen werden und daher die Versorgung mit Vitaminen nicht immer optimal ist. Bei mir fehlte zum Beispiel Folsäure. Hat der Arzt per Bluttest rausgefunden. Ich bin außerdem gefühlte 4x im Jahr erkältet und rede nun schon lange davon, endlich mehr Sport zu machen um das Immunsystem zu stärken.

Weil das mit dem inneren Schweinehund ja immer so eine Sache ist, nehme ich zumindest für eine Weile Vitamine von außen dazu. In meinem Fall habe ich von amitamin das Produkt immun360 genommen, da sind neben den ganzen Vitaminen (A, C, D, E, B1, B2, B6, B12, K1) auch Folsäure, Kupfer, Zink, Magan, Selen, Eisen, Chrom, Jod, L-Glutamin (wichtig bei Leaky Gut) und andere Sachen drin, die gut klangen 🙂 Bekommt ihr in der Apotheke eurer Wahl oder online (Link suche ich euch noch raus. Alternativ könnt ihr auch das aus der Werbung bekannte Orthomol immun nehmen, das gibt es z.B. hier online*.

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Mit den 5 Punkten geht es mir heute deutlich besser. Noch ist nicht alles perfekt (so ist die Haut noch oft entzündet und ich müsste eigentlich mehr wiegen), aber der Weg stimmt. Gern berichte ich hier weiter – bei Fragen oder wenn ihr erzählen wollt, wie ihr euren Bauch in den Griff bekommt, nutzt gern die Kommentare.

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LG

R.

Der Bericht hier ist ein privater Erfahrungsbericht. Er ersetzt keinen Arztbesuch und ist keine medizinische Beratung. Die *-Links sind mit einem Partner-Programm verbunden.




Dieser Beitrag hat 3 Kommentare
  1. Welcher Heilpraktiker legt denn Kräuter auf Ihren Bauch Bauch ?? Schade, dass man mit solch dummen Kommentaren immer wieder versucht, die Naturheilkunde schlecht zu machen. Gerade die Heilpraktiker sind es, die Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Histaminintoleranz, Reizdarm etc. erfolgreich behandeln, indem sie zuerst entsprechende Darmtests durchführen lassen und danach therapieren. Gerade das ist eine Domäne der Naturheilkunde bzw. vielen Heilpraktiker !

    1. Liebe Elvira, welcher Arzt das gemacht hat? Meiner! : ) Von daher ist das kein dummer Kommentar, sondern einfach eine Tatsachenbeschreibung. Er legte mir verschiedene Kräuter auf den Bauch, hob dann meine Arme an, änderte die Kräuterzusammensetzung auf dem Bauch und machte das bis die „perfekte Mischung“ chinesischer Heilkräuter gefunden war. Ich glaube dass es auch gute Heilpraktiker/innen gibt, aber das war nun mal meine Erfahrung mit diesem einen und die wirkte auf mich als jemand der nicht esoterisch veranlagt ist, etwas fragwürdig. That’s all.

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